Die Inklusion von Kindern mit Behinderung ist mittlerweile ein unverzichtbarer Teil unserer pädagogischen Arbeit geworden. Die amtliche Bezeichnung wird durch den Begirff "gemeinsames Lernen" umschrieben.
Von Beginn an (1981) war die Rosenmaarschule immer grundsätzlich offen für alle Kinder mit Förderbedarf, unabhängig von der Art oder dem Schweregrad der Behinderung. Entscheidend für eine Aufnahme ist die Frage, ob die für eine verantwortliche Betreuung des betreffenden Kindes notwendigen personellen, räumlichen und sächlichen Bedingungen vorhanden sind, oder ob sie in Zusammenarbeit mit Schulaufsicht und Schulträger geschaffen werden können. Die Rosenmaarschule hat sich folgerichtig zu einer Inklusions-Schwerpunktschule weiterentwickelt, die Kinder mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten in einer für GL-Schulen ungewöhnlich großen Zahl betreut. Hierzu gehören u.a. die Förderschwerpunkte: „körperliche und motorische“ sowie „geistige Entwicklung“. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass es in allen Klassen behinderte Kinder gibt (4-6 Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen). Die Inklusion ist somit Schulprinzip.
Eine Schule, die nach dem Jenaplan arbeitet, bietet besonders günstige Voraussetzungen für die Umsetzung der Inklusion. Das ergibt sich aus der grundsätzlichen Bejahung der Heterogenität und den darauf aufbauenden Unterrichtsformen und -strukturen. Daneben ist auch der „Offene Ganztag“ der Inklusion sehr förderlich. Für die Förderung und Betreuung der Kinder mit Förderbedarf mussten keine grundsätzlich neuen Unterrichtsformen entwickelt werden.
Wohl hat aber die Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf an unserer Schule zu einer noch stärkeren Akzentuierung der pädagogischen Leitideen geführt. Ein Beispiel: Die 1989 vorgenommene Umstellung von Eingangsstufe (1.und 2.Schuljahr) und Grundstufe (3.und 4.Schuljahr) auf Stammgruppen, die 1.,2.,3.und 4. Schuljahr umfassen, ist wesentlich durch die Erfahrung mit Inklusion angestoßen worden. An diesem Beispiel mag exemplarisch sichtbar werden, dass das Gemeinsame Lernen die Weiterentwicklung unseres Schulprogramms in einer für alle Kinder vorteilhaften Weise beeinflusst hat.
Die Förderung der behinderten Kinder erfolgt im Übrigen nach dem Prinzip: so viel Integration wie möglich - so wenig Separation wie nötig. Förderschullehrer unterrichten bei uns, genau wie ihre Grundschulkollegen, immer nur in den beiden Klassen ihres Teams. Damit übernehmen sie auch ihren Teil an der Gesamtverantwortung für ihre Stammgruppe (Klassenlehrer-Funktion). Die feste Mitarbeit der SonderschullehrerInnen über viele Jahre (inzwischen zuverlässig abgesichert durch ihre Versetzung ins Grundschulkapitel) gewährleistet, dass die Erfahrungen mit Kindern unterschiedlichen Förderbedarfs, die Konzepte und Programme, aber auch die erarbeiteten Formen kollegialer Zusammenarbeit über die Professionen hinweg nicht verloren gehen.
Die Aufnahme vieler behinderter Kinder ermöglicht zudem die feste Anbindung von Therapeuten (in unserem Fall Physio- und Sprachtherapeuten).
Unter dem Stichwort "Vielfalt der Begabungen" wurde im Kreis der Mitarbeiter und der Elternschaft eine Diskussion angestoßen, die im Rahmen der Inklusion auch die Belange besonders begabter Kinder in den Blick nimmt. Die Schule hat bereits teilgenommen an einer entsprechenden Untersuchung des Zentrums für Schülerförderung (damals noch Schulpsychologischer Dienst). Demnach scheinen Jenaplan-Schulen auch für diese Kinder günstige Lernvoraussetzungen zu bieten. Die alters- und leistungsheterogenen Stammgruppen ermöglichen hochbegabten Kindern ein Lernen auf einem ihnen gemäßen Anforderungsniveau, ohne dass sie, wie etwa beim sonst üblichen Überspringen, in eine Klasse mit ausschließlich älteren Kindern wechseln müssen, einer Situation, der sie von ihrer seelischen Reife her oft nicht gewachsen sind.