Zielfelder der pädagogischen Arbeit - Zusammen Leben und Arbeiten

Schule ist für die Schülerinnen und Schüler da, und Schule ist zugleich der Arbeitsplatz der Lehrerinnen und Lehrer. Von beiden her muss sich das "Zusammenleben/arbeiten" legitimieren. Um die komplexen Aufgaben, die nötig sind um Schule für unsere Schülerinnen und Schüler zu bewältigen, ist das Eingebundensein aller Mitarbeiter in ein Team und deren Vernetzung eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Gelingen. Teamarbeit ermöglicht, alle an der Gestaltung von Schule aktiv und verantwortlich teilnehmen zu lassen und die Arbeit effektiver zu verteilen. Gleichzeitig setzt Arbeiten in einem Team die Teamfähigkeit aller seiner Mitglieder voraus.

 

Fundamente der Pädagogischen Arbeit: Jahrgangsübergreifende Stammgruppen

Der für Besucher auffälligste und augenfälligste Unterschied unserer Schule zu einer Regelschule ergibt sich aus der Tatsache, dass in unseren Klassen (Stammgruppen) Kinder des 1., 2., 3. und 4.Schuljahrs zusammen lernen und leben. Diese bewusst herbeigeführte Heterogenität, die wir durch die Aufnahme behinderter Kinder noch vergrößert haben bildet die Basis unseres Schulkonzepts.

Wir gehen davon aus, dass die häufig angestrebte Homogenität der Lerngruppe auch in normalen Jahrgangsklassen eine Fiktion ist, und die Richtlinien fordern deshalb mit Recht von allen Grundschulen eine weitgehende innere Differenzierung. In der Tat gibt es ja auch nirgendwo eine pädagogische Begründung für die Einrichtung von Jahrgangsklassen. Diese Organisation wurde aus dem preußischen Militärwesen übernommen. Wenn man die Unterschiedlichkeit von Kindern, was ihre Begabungen, ihre Fähigkeiten, ihre Herkunft usw. angeht, nicht nur anerkennt und akzeptiert, sondern geradezu schätzt, dann ist die Heterogenität von Lerngruppen nicht länger ein lästiges Problem, sondern eine pädagogische Chance. Kinder lernen voneinander, miteinander und aneinander mindestens ebensoviel wie das, was wir glauben sie lehren zu müssen.

Diese Einsicht trägt aber erst Früchte, wenn man das Vertrauen entwickelt, die Kinder auch selbständig lernen zu lassen - und die Gelassenheit, als Lehrer auszuhalten, dass die Kinder eigene Wege gehen, und auch eigene Themen finden. Der Jenaplan bietet eine Struktur für Unterrichtsformen, die einerseits die Kommunikation der Kinder untereinander, das Lernen von- und miteinander begünstigen und andererseits auch ein individuelles Lernen, was Inhalte, Lernwege, Schwierigkeitsgrade und Lerntempo angeht, möglich machen.Stammgruppe

 

Der Jenaplan schafft ein gutes Bedingungsfeld für soziales Lernen. Durch die Heterogenität entstehen "Pädagogische Situationen" (Petersen), die die Kinder immer wieder herausfordern als ganze Menschen zu handeln. In einer altergemischten Stammgruppe durchlaufen Kinder während ihrer Schulzeit unterschiedliche Rollen. Im ersten Schuljahr gehören sie zu den Kleinsten, Jüngsten, Unerfahrensten usw., die stark von der Unterstützung und Fürsorge durch die älteren Kinder in der Stammgruppe profitieren.

Die ältesten Kinder verlassen die Schule in Richtung Sekundarstufe, und es rücken die jüngeren Kinder nach. So verändert sich die Gruppe jedes Jahr ein wenig und damit auch die Rolle, die das Kind im Klassenleben spielt. Mit zunehmendem Alter kann es eine größere Verantwortung für sich und andere übernehmen, kann mehr von seinem Wissen und seinen Erfahrungen an andere weitergeben. Das steigert das Selbstwertgefühl, und auch leistungsschwache Kinder haben Erfolgserlebnisse, wenn sie jüngere Kinder beim Lernen unterstützen oder ihnen ganz praktisch helfen, sich in der Schule zurechtzufinden.
Besonders bewährt hat sich dabei die Einrichtung der Partnerschaften, bei dem jedes Kind einen festen Partner hat.

Trotz der jährlichen Veränderung bleibt der Gruppenrahmen stabil: Die Kinder bleiben im gleichen Raum, beim gleichen Lehrerteam, und die Regeln und Absprachen für das Zusammenleben und -lernen werden von den älteren Kindern an die jüngeren tradiert. In dieser Polarität zwischen Sicherheit auf der einen und Veränderung auf der anderen Seite vollzieht sich die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder.

Auch außerhalb der Stammgruppen schafft der Jenaplan Übungsfelder für soziales Lernen. Hier seien nur zwei Beispiele genannt:

  • Die regelmäßigen Schulfeiern tragen dazu bei, dass die Kinder sich als Teil der Schulgemeinschaft erleben.
  • Die Schülerrunde als wöchentliche Versammlung der Klassensprecher hilft den Kindern, ihre Bedürfnisse (auch gegenüber Erwachsenen) zu artikulieren und übt Formen demokratischen Handelns.

Der Jenaplan in seiner Bedeutung für unser Schulkonzept kann hier nur in groben Zügen skizziert werden. Alle "Bausteine" finden sich bei den Zielfeldern und im Materialteil. Ergänzend verweisen wir auf die entsprechende Literatur (vor allem den "Kleinen Jenaplan" Peter Petersens).

Im Zusammenspiel von Kern und Kurs vollzieht sich ein Unterricht, der einerseits dem einzelnen Kind eine individuelle Lernentwicklung ermöglicht, andererseits die unterschiedlichen Fähigkeiten der Kinder nutzbar macht für das Lernen am gemeinsamen Thema oder Gegenstand. In den Kernstunden lernt und lebt die altersgemischte Stammgruppe gemeinsam.
Der Kern umfasst alle Lernbereiche, vor allem den Sachunterricht ("Weltorientierung") mit seinen Themen und Projekten, das Üben und Anwenden der Kulturtechniken und die musischen Bereiche.
Er ist methodisch vielfältig. Bei der Methode des „ Gruppenunterrichts“ (Petersen) lernen die Kinder in ihren Tischgruppen zusammen. Sie bekommen einen gemeinsamen Auftrag, den sie sinnvoll ein- und aufteilen sollen. Sie lernen verschiedene Interessen auszuhandeln, Absprachen einzuhalten, ihre Fähigkeiten einzuschätzen und dementsprechend arbeitsteilig zu vorzugehen. Schließlich lernen sie auch, die einzelnen Beiträge zu einem gemeinsamem Arbeitsergebnis zusammenfließen zu lassen. Dies präsentieren sie der Klassengemeinschaft, wofür jede Gruppe Rückmeldungen von den Mitschülern erhält. Dabei entsteht Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit der Gemeinschaft gegenüber. Der Lehrer nimmt dabei die Rolle eines Moderators und Beraters ein.
Der Kern wird auch durch ein intensives Klassenleben mit seinem Tages-, Wochen- und Jahresrhythmus strukturiert.
Hier wird auch die von Petersen eindringlich geforderte Abkehr vom "Fetzenstundenplan" umgesetzt. Das 45-Minuten-Raster wird ersetzt durch einen rhythmisierten, sich täglich wiederholenden Ablauf, der den Kindern durch seine feste Struktur ein Stück Verlässlichkeit gibt. Andererseits lässt er aber auch tagesaktuelle Veränderungen und Verschiebungen zu, wenn das Thema, das Projekt oder auch einfach die Tagesform der Gruppe das nötig machen.

Eine detaillierte Beschreibung dieses veränderten Schultages kann hier nur in Stichworten vorgestellt werden:

Die Schule betreut die Kinder ab 7.30 Uhr. Die Arbeit in der Stammgruppe beginnt um 8:15 Uhr. Darauf folgt ein durchgehender Block, der um 10:30 Uhr mit einer gemeinsamen Pause für alle Rosenmaar-Kinder endet. Dieser Block teilt sich auf in Kern- und Kursunterricht, unterbrochen von einer individuell in den Stammgruppen festgelegten Pause mit gemeinsamem Frühstück. Nach der großen Pause treffen sich die Kinder um 11.00 Uhr noch einmal fürin ihrem Kern oder Kurs. Für die Kinder des 1. Schuljahres endet der Unterricht um 11:45 Uhr. Für die älteren Kinder schließen sich noch Kursstunden an.

Der Kursunterricht ist eine Antwort auf die häufig gestellte Frage, wie in einer altersgemischten Lerngruppe jedes Kind "zu seinem Recht" kommt. In den Kursen erlernen die Kinder die Grundfertigkeiten, Techniken usw., die für ein erfolgreiches Arbeiten an den Kernthemen Voraussetzung sind. Dazu gehört neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch das Nutzen von Büchern, Nachschlagewerken, Karten und Schaubildern, Medien aller Art, auch des Internets. Die Inhalte und Ziele der Lernbereiche sind lehrplankonform.

Eine weitere Antwort auf die oben gestellte Frage ist die Arbeit mit weitgehend differenzierten Wochenplänen . Bei aller Individualität der Anforderungen (Kindbezogenheit) müssen dabei auch die Ansprüche, die sich in den Richtlinien und den daraus von den Fachteams entwickelten Jahresarbeitsplänen manifestieren (Anforderungsbezogenheit), beachtet werden. Der Wochenplan enthält vorgegebene und offene Aufgaben, an denen das Kind vormittags in der Wochenplanzeit und nachmittags in der Übungszeit arbeitet. Diese sollen innerhalb einer Woche bearbeitet werden, wobei das Kind selbst die Reihenfolge, das Tempo und auch Arbeitspartner wählen darf. Die Übungszeit findet montags und mittwochs Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr statt.

An Stelle von Noten-Zeugnissen erhalten die Kinder am Ende des Schuljahrs ausführliche Lernentwicklungsberichte .Die regelmäßigen Rückmeldungen an die Kinder im Laufe des Schuljahrs sind rein verbal. Die Rosenmaarschule ist eine Grundschule ohne Noten.

Vor dem Hintergrund täglich fortschreitender Zerstörung unserer Lebensgrundlagen bei gleichzeitig zunehmender Isolierung von der natürlichen Umwelt gewinnt die ökologische Erziehung eine besondere Bedeutung. Dabei kann es nicht nur darum gehen, Umwelt ausschnittweise im Unterricht zu „behandeln“ und entsprechende Erkenntnisse und Kenntnisse sachlogisch zu vermitteln.
Begreifen hat etwas mit Anfassen zu tun. Deshalb muss die handelnde Auseinandersetzung mit Dingen und Sachverhalten im Vordergrund stehen.
Dies geschieht an folgenden Plätzen der Schule

  • Schulgarten (SchülerInnen können pflanzen, pflegen, beobachten, ernten und genießen was sie selber angebaut haben)
  • Biotop (Am Schulteich beobachten Kinder das Leben im Teich und führen Versuche durch)
  • Schafstall ( SchülerInnen pflegen, versorgen, beobachten, streicheln die Schafe. Sehen Geburten und erfahren, dass Lämmer zur Schlachtung weggegeben werden. Sie beobachten das scheren der Schafe und verfolgen den Weg zur Herstellung der Wolle)
  • Kletterbäume (auf dem Schulhof finden die SchülerInnen zahlreiche Kletterbäume. Gleichzeitig gilt aber die Regel der Achtung der Natur, d.h. sie dürfen keine zu schwachen Äste beklettern und keine Bäume zerstören)
  • Naturnischen auf dem Schulgelände
  • Sammelstationen für Batterien , alten Druckerpatronen und „Schlafhandys“ (Recycelbares Material wird gesammelt und die Schule erhält dafür Geld)
  • Mülltrennung in den Klassen